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100 Jahre St. Willehad-Hospital in Wilhelmshaven

Wie alles begann...

Verwundert schauten die Anwohner der Roonstraße am Morgen des 11. September 1904, einem Sonntag, einer langen Prozession nach, die sich, von der Ansgaristraße kommend, durch die Roonstraße in Richtung Luisenstraße bewegte. Es war eine Schar festlich gestimmter Menschen, unter ihnen manche bekannte Persönlichkeit des kirchlichen und öffentlichen Lebens. Erstaunlich die große Zahl der Fahnen, die im Zuge mitgeführt wurden!

Historische Vorderansicht St. Willehad-Hospital

Vorderansicht um 1940

Es musste ein besonderes Ereignis sein, das diese Menschen auf die Beine gebracht hatte. Und bald wussten alle die neugierigen Zuschauer, worum es sich hier handelte: Der Zug endete nach kurzer Zeit in der Kaiserstraße.

Er ordnete sich um eine große Baustelle. Ansprachen wurden gehalten, und die sich hier mehr und mehr ansammelnden Zuschauer hörten, hier wird der Grundstein gelegt für ein katholisches Krankenhaus. Damit sollte ein lange gehegter Wunsch der Katholiken in den Jadestädten in Erfüllung gehen. Aus allen Teilen des deutschen Reiches waren sie hierher gekommen, folgend dem Rufe der preußischen Regierung, die hier, in einem Gebiete, das sie im Jahre 1853 von Oldenburg erworben hatte, einen Hafen und eine Werft - für die damalige Zeit mammutartige Projekte - errichten wollte und dafür Arbeitskräfte brauchte. Gemeinsam mit vielen anderen haben sie mitgewirkt an dieser Pioniertat gegen alle Widerstände, die Sturmfluten und Meeresströmungen, das rauhe Herbst- und Winterklima, der bewegliche Treibsand und der zähe Kleiboden und nicht zuletzt eine tückische Krankheit, die Malaria, der Durchführung entgegensetzten. Sie haben aber auch gut verdient. Nirgends in Deutschland wurden so hohe Stundenlöhne gezahlt wie auf der Werft und beim Hafenbau an der Jade.

Inzwischen waren die neu zugezogenen Katholiken eine stattliche Pfarrgemeinde von mehrals 3000 Seelen geworden. Sie wurden anfangs kirchlich von den Geistlichen in Varel und Jever betreut. Im Jahre 1872 erhielt die kath. Gemeinde Bant-Wilhelmshaven einen eigenen Geistlichen. Schon nach sieben­jährigem Wirken konnte er für seine Pfarrgemeinde ein Gotteshaus bauen, die Kirche St. Marien in der Ansgaristraße. Von den Gläubigen wurde sie nur "Ansgarikirche" genannt.

Historische Vorderansicht St. Willehad-Hospital

Eingang und Anmeldung

Ihre Kinder schickten die kath. Eltern anfangs in eine von der Kirche eingerichtete Privatschule. Im Jahre 1894/95 wurde anstelle der kleinen Privatschule eine größere, staatliche gebaut. Sie steht heute noch. Es ist die Ansgarischule. Sie hat alle Fährnisse, die zwei Weltkriege über die Jadestädte gebracht haben, unversehrt überstanden. Zu dieser kamen noch zwei weitere kath. Schulen, eine im Stadtteil Heppens in der Zedeliusstraße und eine im preußischen Wilhelmshaven in der Peterstraße/Ecke Parkstraße. Für die kirchlichen und schulischen Belange der Katholiken im Jadegebiet war also gesorgt. Damit sollte es aber nicht genug sein. Führende Mitglieder der Gemeinde, besonders die Geistlichen, fühlten sich durch das göttliche Gebot der Nächstenliebe verpflichtet, mehr zu tun. Sie wollten auch den Kranken und Leidenden in ihren leiblichen Nöten helfen. Ihr Ziel war es, ein kath. Krankenhaus zu bauen, in dem diese Heilung von ihren Leiden oder wenigstens Linderung ihrer Schmerzen finden sollten. Man befasste sich also in den Reihen der Katholiken an der Jade schon recht früh mit der Errichtung eines eigenen Krankenhauses.

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 Die ersten Schritte

Die ersten Maßnahmen zur Realisierung des Vorhabens traf Herr Dechant-Pfarrer Holzenkamp zu Lohne (er war der erste Geistliche in Bant-Wilhelmshaven). Er kaufte durch Herrn Kaplan Kühling in den Jahren 1895 und 1897 von Frau Emma Koppen, geb. Menke, einige Parzellen Land in der Gemarkung Wilhelmshaven. Ein Jahr später schon, im Jahre 1898, ließ Herr Kaplan Kühling "zum projektierten Krankenhaus für Bant-Wilhelmshaven" einen Skizzenentwurf durch den Architekten Eduard Endler, Köln, anfertigen. Dieser Plan kam aber nicht zur Ausführung. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis man mit dem Bau des Krankenhauses beginnen konnte. Der Gründe dafür waren mehrere. An erster Stelle war es die Frage der Finanzierung. Doch war man in der Zwischenzeit nicht müßig. Untätig zu sein lag nicht in der Sinnesart der Männer, die sich den Bau eines kath. Krankenhauses in Wilhelmshaven zur Aufgabe gesetzt hatten. Somit sorgten sie denn zunächst für ambulante Krankenpflege. Dazu riefen sie Barmherzige Schwestern aus Brake und Bremen herbei. Mehrere Jahre pflegten und versorgten diese hier Kranke und Leidende ohne Unterschied der Religion und des Standes und wurden so beliebt. Auch sie waren der Meinung, dass hier ein Krankenhaus nötig sei.

Vorhalle St. Willehad-Hospital

Vorhalle

Die Initiative für den Bau eines Krankenhauses hatte inzwischen Herr Kaplan Meistermann ergriffen. Von vorn herein stand für ihn fest: Die Pflege der Kranken sollen Barmherzige Schwestern aus der Genossenschaft der Franziskanerinnen zu St. Mauritz bei Münster übernehmen.

Am 6. Juli 1900 richtete er ein Gesuch an das Bischöfliche Offizialat in Vechta, eine Niederlassung dieser Genossenschaft in Wilhelmshaven zuzulassen. Knapp eine Woche später schon wandte er sich mit einem Schreiben an den Direktor der Franziskanerinnen zu St. Mauritz und bat um zwei Schwestern für die ambulante Krankenpflege. Herr Direktor Rost erklärte sich bereit, drei Schwestern zu schicken.Wie vereinbart, waren die drei Krankenschwestern am 8. November zur Stelle. Zu ihrer Einführung und Begrüßung versammelte sich die Pfarrgemeinde in der Kirche, "um in einem feierlichen Hochamte Gottes reichsten Segen auf das Wirken der Ehrwürdigen Schwestern herabzurufen".

Am Tage nach der Ankunft in Wilhelmshaven nahmen die Krankenschwestern ihre Tätigkeit auf. "Sie pflegten recht opferwillig und bescheiden ihre Kranken." (So Herr Direktor Rost.) Die ersten Schwestern waren Schwester Bertina, geb. Karolina Müggenborg, aus Altenberge, Oberin, Schwester Miniata, geb. Maria Kleyhege, aus Bork und Schwester Pusiana, geb. Katharina Jungemann, aus Sendenhorst. Sie wohnten wie vorgesehen in der Dachwohnung der kath. Volksschule in der Ansgaristraße. Anfangs hatten die Schwestern einen schweren Stand, da manche Kreise der Bevölkerung sie mit Mißtrauen betrachteten. Doch dies änderte sich bald, als die Schwestern ihre Tätigkeit in den Familien bei den Schwerkranken ausüben durften. So sehr nahm man ihre liebevolle, hingebende Pflege in Anspruch, dass vom Mutterhause noch zwei Schwestern gesandt wurden; es waren Schwester Vigilantia und Schwester Luciniana. Tag und Nacht hatten sie Arbeit.

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 Das Willehad und die Marine

Arztzimmer Innere Abteilung

Arztzimmer Innere Abteilung

Ihre Wirksamkeit erstreckte sich nicht allein auf die Zivilgemeinde, sondern auch auf Angehörige der Kaiserlichen Marine, einschließlich der Beschäftigten auf der Werft. Die Marineleitung hat diesen Einsatz anerkannt und unterstützt. Der Staatssekretär des Reichsmarineamtes überwies als Beihilfe zur Unterhaltung der für Marinearbeiter in Bant­Wilhelmshaven tätigen kath. Krankenschwestern für die Zeit vom 22.11.1900 bis Ende März 1901 einen Betrag von 300 Mark und als Beihilfe zur Unterhaltung der Schwestern im Rechnungsjahr 1901 die Summe von 1000 Mark. Danach wurden vom 1. 4.1902 ab in den Etat der Kaiserlichen Marine 1000 Mark jährlich für katholische Krankenschwestern eingesetzt. Die Schwestern arbeiteten bis zur physischen Erschöpfung. In einem Schreiben vom 10.10.1903 teilte der Kirchenvorstand der kath. Kapellengemeinde in Wilhelmshaven der Königl. Regierung in Aurich dieses mit: "Die ambulante Krankenpflege ist bei den hiesigen eigentümlichen örtlichen Verhältnissen - ungewöhnlich weite Entfernungen - für die Schwestern außerordentlich beschwerlich und stellt an ihre Leistungsfähigkeit dauernd die höchsten Anforderungen. Dies ist auch der Grund, dass die Schwestern trotz ihrer enormen Leistungen den Bedürfnissen doch nicht ganz entsprechen können und viele Ersuchen unberücksichtigt lassen müssen. In der kath. Gemeinde ist deshalb der Wunsch nach einem eigenen Krankenhause unter der Leitung der Schwestern laut geworden mit der Begründung, dass beim Vorhandensein eines solchen Hauses die Tätigkeit der Schwestern noch ergiebiger sein würde."

Krankenzimmer II.Klasse

Krankenzimmer II.Klasse

Auch der Bischof von Münster, Hermann Dingel­stad, erkannte die Notwendigkeit eines solchen Krankenhauses vollkommen an. Er hielt die Wahl der Schwestern zur Erfüllung des genannten Zweckes für glücklich und zweifelte nicht, dass dieselben, wie sie es seit drei Jahren von Bant aus getan hatten, auch in dem neu zu erbauenden Hause die schwere Aufgabe ihres Standes mit Treue und Erfolg lösen würden.

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 Die Verwirklichung eines Planes

In diesen Jahren arbeitete Herr Kaplan Meistermann im stillen, dafür aber um so intensiver an der Verwirklichung seines Planes. Schon im Jahre 1902 war er seiner Sache sicher. "Ein katholisches Krankenhaus wird sicher gebaut", konnte er dem Gemeindevorsteher Meentz am 15. 03.1902 schreiben. Er beauftragte Herrn Baurat Flügel, Bremen, mit der Ausarbeitung eines Entwurfes für den Neubau eines Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Wilhelmshaven. Dieser machte sich sogleich an die Arbeit und konnte seinen Plan schon am 20.06.1903 vorlegen. Er gab dazu Erläuterungen zur Lage und Ausdehnung des Gebäudes, zur Einteilung und Konstruktion, zu Heizung und Lüftung, zu Fassaden und Nebengebäuden, zu Wasch- und Leichenhaus.

Mit diesen nachfolgend genannten Herren kam Herr Kaplan Meistermann am 15.12.1903 zu einer Besprechung über dieses Problem zusammen:

Sie kamen dabei überein, sich am 29.12.1903 zu einer konstituierenden Sitzung zusammenzufinden. Auf dieser Sitzung fassten sie einstimmig diese Beschlüsse:

Der Verein wird gegründet und erhält den Namen "St. Willehad-Hospital". Herr Kaplan Meistermann gab in seiner Ansprache anlässlich der Grundsteinlegung des Hauses zu der Namensgebung diese Begründung: "St. Willehad hat hier zuerst das Evangelium verkündet ­und ist in der Nähe am 8. November 787gestorben. Seine Liebe zu den Armen hat ihn hierher gebracht. Die Leute nährten sich kümmerlich vom Fischfang. St. Willehad hat es nicht lange ausgehalten, als Opfer der Nächstenliebe ist er gestorben. Da man in heutiger Zeit alles Alte wieder näherholt und sammelt, möge durch unser Krankenhaus dieser große Mann und Apostel der Vergesheit entrissen werden".

Alle waren der Ansicht, dass sämtliche Bestimmungen der Satzung vorsichtig und scharf abzufassen sind. Zweck und Ziel des Vereins sollte es sein, uneigennützig, ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis und den Stand nur dem Wohle des Nächsten zu dienen.

Am 18.01.1904 benachrichtigte das Amtsgericht in Wilhelmshaven den Vorstand, dass der Verein St. Willehad-Hospital in das Vereinsregister unter der Nr. 12 eingetragen worden sei.

Laboratorium

Laboratorium

Schon wenige Tage nach der Gründung des Vereins richtete der Vorstand an die Königl. Regierung in Aurich ein Gesuch um Baugenehmigung für das neue Krankenhaus. Um allen Anforderungen zu genügen und unabhängig zu sein, war auch der Bau eines Isolierhauses vorgesehen. Die Bauleitung wurde nun endgültig Herrn Baurat Flügel übertragen.

Es war geplant, das neue Krankenhaus auf dem an der Kaiserstraße gelegenen Grundstück, das Herr Domherr Johannes Holzenkamp schon in den Jahren 1895 und 1897 gekauft hatte, zu erbauen. Dieses erwarb der Verein St. Willehad-Hospital käuflich.

Bei seinem Entwurf war Herr Baurat Flügel davon ausgegangen, dass das Gebäude zunächst für eine kleine Anzahl von Kranken gebaut werden solle, aber von vornherein so angelegt sein müsse, dass eine planmäßige Erweiterung jederzeit ohne Schwierigkeiten und Störung des Betriebes möglich sei. Sollte eine Vergrößerung des Krankenhauses einmal erforderlich sein, würde die westliche Seite des neuen Flügels 3 m und die östliche 1 m ins oldenburgische Gebiet hinüberreichen. Wenn aber von zuständiger Seite jetzt schon gegen die etwaige Überschreitung der Landesgrenze Einspruch erhoben oder gar die Genehmigung zum Bau von der Einhaltung des preußischen Gebietes abhängig gemacht werden sollte, dann war der Verein bereit, sich zu verpflichten, die Landesgrenze nicht zu überschreiten. In diesem Falle wollte Herr Baurat Flügel die Front an der Kaiserstraße nach der Kirchstraße (Ansgaristraße) hin verlängern und den westlichen Flügel - ohne Rücksicht auf Symmetrie - weniger tief anlegen.

In der Tat war es dem Verein St. Willehad-Hospital von der Königl. Regierung in Aurich zur Auflage gemacht worden, sich strikt an die preußisch-oldenburgische Grenze zu halten und nur innerhalb der Grenzen der zu damaliger Zeit preußischen Stadt Wilhelmshaven zu bauen. Kirchlich war Wilhelmshaven dem Bischöfl. Generalvikariat Münster direkt unterstellt. Es gehörte nicht zum Offizialat Vechta, das nur für den oldenburgischen Teil der Diözese Münster bestellt war. Deshalb beschied der Bischof von Münster Hermann Dingelstad in einem Schreiben an den Kaplan Meistermann vom 11.12.1900, dass hierfür alle Fragen betreffs des St. Willehad-Hospitals direkt mit dem Bischöfl. Generalvikariat in Münster zu führen seien, während sie (auch die über Grundstückskäufe) vor 1900 zusammen mit dem Offizialat Vechta geregelt wurden.

Im Archiv des Offizialats befinden sich aus diesem Grunde auch relativ wenig Unterlagen über die Gründung des Hospitals.

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 Baubeginn

Operationssaal

Operationssaal

Am 08.01.1904 hatte der Vorstand den Antrag um Baugenehmigung für das Krankenhaus an die Königliche Regierung in Aurich gerichtet. Im Juni lag diese vor. Es konnte mit dem Bau begonnen werden. Die Erdarbeiten und Betonarbeiten wurden der Fa. F. Felix, Wilhelmshaven, übertragen. Die Firma H. B. Meppen, lieferte die Träger und brachte die Laschen auf den unteren Betonklötzen an. "Die Arbeiten sollen am 15. August vollendet sein", diese Verpflichtung hatte die Firma F. Felix am 04.07.1904 übernommen. Termingerecht wurden die Erd- und Betonarbeiten beendet, so dass am 11.09.1904 die Grundsteinlegung erfolgen konnte. Das geschah in feierlicher Form unter Anteilnahme der ganzen katholischen Pfarrgemeinde Bant-Wilhelmshaven.

Die nun folgenden Maurerarbeiten führte die Firma R. Tönjes, Heppens, aus und die Zimmerarbeiten die Firma H. F. Stolze, Wilhelmshaven. Am 19.12.1904 erfolgte die Rohbauabnahme des Hospitals durch den Königl. Landrat des Kreises Wittmund. Dieser meldete am 22.12. dem Vorstand "Die am 19. d. Mts. erfolgte Rohbauabnahme des St. Willehad-Hospitals hat Mängel nicht ergeben".

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 Einweihung

Bis zur Vollendung des kath. Krankenhauses St. Willehad-Hospital zogen sich die Arbeiten noch einige Monate hin. Am 09.08.1905 konnte es schließlich eingeweiht und seinem hehren Dienste am kranken und leidenden Mitmenschen übergeben werden. Mit dem St. Willehad-Hospital war der Anfangsteil eines allgemeinen Krankenhauses entwickelt, der den damaligen modernsten baulichen, hygienischen und medizinischen Ansprüchen genügte. Es lag in einer relativ wenig bebauten Gegend. Die Krankenstationen hatte man an der Südseite des Hauses in drei Stockwerken untergebracht, während einige kleinere Krankenzimmer und die Nebenräume, wie Behandlungszimmer, Stationsküchen, Bäder und Toiletten, in einem nordöstlichen schmaleren Flügel angelegt wurden. Da Licht und Luft hier an der See ein so wichtiger Heilfaktor sind, wurden den damaligen hygienischen Bestimmungen entsprechend die Räume mit einer Höhe von etwa 4 Metern sehr hochgeschossig gehalten und mit breiten, lichtspendenden, dreiteiligen Fenstern und dreierlei Belüftungsmöglichkeiten ausgestaltet, und zwar mit Klappfenstern in den Oberlichtern der Fenster, Klappflügeln über den Türen zu den Fluren und mit einem verschließbaren Entlüftungsschacht zum Dach hinaus, so daß ein leichtes und wirksames Durchlüften der Zimmerjederzeit und ohne Störung möglich war. Eine moderne Zentralheizung beheizte Zimmer und Flure. Ein Fahrstuhl, wohl der erste und einzige der damaligen Zeit in Wilhelmshaven, so groß, dass ein Bett bequem im Fahrkorbe Platz fand, verband die einzelnen Stockwerke bis zum Dachgeschoss hinauf, in dem die Schwestern und das Personal untergebracht waren. Diese Einrichtung sollte es den Kranken und dem Pflegepersonal ermöglichen, die Krankenstationen und Behandlungsräume bequem zu erreichen. Das Gebäude war in solidester Weise und feuersicher hergestellt. Nur die oberste Balkenlage und der Dachstuhl waren aus Holz. Alle übrigen Balkenlagen wurden durch eiserne Träger gebildet. Die Hauskapelle ging durch zwei Geschosse. In einer Urkunde vom 8. Juli 1905 gestattete der Bischof von Münster, dass im St. Willehad-Hospital zu Wilhelmshaven "ein oratorium semipublicum errichtet werden, in welchem das hl. Meßopfer dargebracht werden darf (Kirchl. Amtsblatt Jahrg.1899, Seite 31), nachdem es zuvor nach dem Formular benedictionis loci vel domus novae (rituale Roma­num Tit. VI I I. cap. 6 resp. 7) benedeciert worden ist."

Bestrahlungsraum

Bestrahlungsraum

Die Belegung der Krankenräume war sehr aufgelockert, so dass die Kranken meist nur zu drei und vier in einem Zimmer untergebracht waren, während jede Station nur einen Großraum mit 9 Krankenbetten hatte. Für Selbstzahler standen einige kleinere Zimmer zur Verfügung. Die medizinischen Einrichtungen waren für die damalige Zeit und die Größe des Hauses durchaus modern und großzügig. Im 1. Obergeschoss wurde eine Operationsabteilung mit einem großen aseptischen und einem kleineren Septischen Operationsraum sowie einer neuzeitlichen Sterilisierungsanlage eingerichtet. Im 2. Obergeschoss wurde ein Raum für Lichtbehandlungen, Elektrisierungen, Vierzellenbad und Massage eingerichtet, und im Erdgeschoss befand sich ein Raum mit einem Universalpendelgerät und verschiedenen anderen Apparaten für die Wiederherstellungsnachbehandlung der Chirurgie und Orthopädie. Eine Röntgeneinrichtung gab es damals noch nicht. Sie wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg aufgestellt. Das Laboratorium war, den damaligen Ansprüchen entsprechend, klein und einfach ausgestattet. Die Infektionsabteilung hatte vier verschiedene Isolierungsmöglichkeiten.

Dem Verein St. Willehad-Hospital ist mit seinem Krankenhaus ein großer Wurf gelungen. Es hat seinen Mitgliedern aber viel Arbeit und Mühe und gewiss auch manche schlaflose Nacht gekostet. Deshalb geziemt es sich, ihnen Dank und Anerkennung zusprechen. An erster Stelle ist aber zu danken seinem 1. Vorsitzenden, dem eigentlichen Initiator des Werkes, Herrn Prälat Meistermann. Herr Pastor Primarius Zumbrägel, der 2. Nachfolger im Amte des Vorsitzenden, sagte von ihm: "Es bedurfte des Weitblicks, des Gottvertrauens und der Initiative, aber auch der zum Helfen neigenden Güte des Prälaten Clemens Meistermann, im Jahre 1898 Barmherzige Schwestern an die Jade zu rufen und den Verein St. Willehad-Hospital zu gründen, mit dem er 1904/05 das Hospital erbaute."

Röntgenzimmer

Röntgenzimmer

Herr Prälat Meistermann war die Persönlichkeit, die ein solches Werk erforderte. Er besaß Energie, Sachkenntnis und Weitblick. Er besaß die Gabe, Seele und Leben einer Körperschaft zu verleihen und die Führung zu übernehmen.

Als Priester stellte Herr Prälat Meistermann sein Werk in den Dienst der ihm anvertrauten Seelen. Hilfe für den Kranken und leidenden Mitmenschen war für ihn auch Seelsorge. In einer Eingabe an das Offizialat in Vechta schrieb er: "Viele Katholiken halten ihre Ostern nicht; daher ist eine besondere Pflege in der letzten Krankheit sehr wichtig. Durch die Pflege und das Gebet der Schwestern würde sicher manche Seele gerettet werden."

Das St. Willehad-Hospital sollte aber nach dem Willen seines Gründers keinesfalls nur dem katholischen Teil der Bewohner des Jadegebietes zur Verfügung stehen. Die Macht christlicher Nächstenliebe bewog ihn, ein Krankenhaus zu bauen, in dem kranke und hilfsbedürftige Menschen ohne Rücksicht auf Konfession, Stand oder andere Unterschiede Aufnahme, Pflege und Heilung finden sollten. Dieser Gedanke wurde auch als verpflichtende Bestimmung in die Statuten aufgenommen.

Die Sorge für das leibliche Wohl war ebenso wichtig wie die für das seelische Heil. Nach Meinung des Prälaten Meistermann war es die Aufgabe eines Krankenhauses, dem Kranken in schönen, luftigen und gesunden Räumen eine liebevolle Pflege zu geben, damit er sich bald vom Krankenlager erhebe. "Gute Pflege ist im Krankenhaus die Hauptsache", schrieb er am 15.03.1902 an den Gemeindevorsteher Meentz in Bant.

Mit allen Kräften., ohne Rücksicht auf Zeit und Gesundheit, hat er sich für sein großes Ziel, den Bau des St. Willehad-Hospitals, eingesetzt. "Sorge, Kummer und Enttäuschungen sind ihm nicht erspart geblieben. Ihm und seinem Verein ist das Hospital dankbar, solange er kranken Menschen helfen kann." (Pastor Primarjus Zumbrägel)

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 Die Finanzierung des Krankenhauses

Kreißsaal

Kreißsaal

Als die Mitglieder des Vereins St. Willehad-Hospital ihr Krankenhaus planten, war die Finanzierung ein besonderes Problem. Zuschüsse von Staat und Kirche oder von caritativen Organisationen gab es so gut wie gar nicht. Ein Wohltäter, der wesentlich zur Finanzierung des Unternehmens beigetragen hätte, fand sich auch nicht. Man war somit auf Darlehen und auf Spenden angewiesen.

Daher erging als erstes ein Aufruf an die Katholiken nah und fern, durch Spenden mitzuhelfen bei diesem Werke der Nächstenliebe. Dieser Aufruf fand beider Bevölkerung ein lebhaftes Echo. Herr Kaplan Meistermann konnte bei seiner Ansprache anläßlich der Grundsteinlegung sagen: "Im Vertrauen auf das große Interesse, welches für unseren Bau herrscht, und im Vertrauen auf so viele milde Gaben, haben wir das Haus begonnen."

Die Kollekten, die an Sonn- und Feiertagen zur Bestreitung der Unkosten für die Schwestern, die die Krankenpflege vorläufig ambulant versahen, abgehalten wurden, brachten so viel ein, daß für den Bau eines Hospitals noch mancher Betrag zurückgelegt werden konnte.

Besonders ließ es sich Herr Kaplan Meistermann angelegen sein, selbst Gelder für das neue Krankenhaus aufzubringen. In einem Schreiben an das Bischöfliche Offizialat in Vechta vom 06. Juli 1900 erklärte er sich bereit, "mit allen Kräften arbeiten zu wollen, damit Gelder für diesen schönen und nützlichen Zweck hier und auswärts flüssiggemacht werden." Dieses Versprechen löste er auf mannigfache Weise ein. Er schrieb Lotterien aus; er veranstaltete Wohltätigkeitsfeste; er sandte Bittbriefe in alle Welt. Aber besonders suchte er auf Kollektenreisen die Wohltätigkeitsbereitschaft seiner südoldenburgischen Landsleute für seinen Zweck zu mobilisieren

"Für den Bau eines Krankenhauses sind 3640,00 M vorhanden", das konnte Herr Kaplan Meistermann im Monat November 1900 in der Ankündigung der Ankunft der Barmherzigen Schwestern seiner Pfarrgemeinde mitteilen.

Säuglingszimmer

Säuglingszimmer

Wohl mögen nach dieser Erklärung die Spenden reichlicher geflossen sein, und bis zum Baubeginn sollten immerhin noch mehr als 3 Jahre vergehen. Es war aber einzusehen, daß auf diese Weise das nötige Geld nicht zu bekommen war, nicht einmal für den Anfang.

Als man dann im Jahre 1904 mit dem Bau begonnen hatte und die ersten größeren Rechnungen auf dem Tische lagen, unterschrieben die Gründer des St. Willehad-Hospitals Wechsel. Dabei hafteten sie mit ihrem persönlichem Vermögen. Sie waren aber von der Notwendigkeit und dem Gelingen ihres Vorhabens so überzeugt, daß sie den Mut hatten, mit ihrem persönlichen Vermögen zu haften. Die unterschriebenen Wechsel beliefen sich damals auf 31.640,00 Mark, was einem Wert von etwa 1 Mill. nach heutiger Währung entspricht. Sodann wurden Darlehen aufgenommen. Wieviele es im einzelnen waren, geht aus den heute noch vorhandenen Unterlagen nicht mehr eindeutig hervor. Zu den Darlehensgebern gehörten jedenfalls

Für ein Darlehen des Bonifatiusvereins in Höhe von 50 000,00 Mark übernahm Herr Kaplan Meistermann selbst die Bürgschaft.

Auch nach der Fertigstellung des Hospitals machte die Geldfrage dem Vorstande des Vereins St. Willehad-Hospital Kopfzerbrechen und Sorge.

Nachdem das neue Krankenhaus eingeweiht worden war und Ärzte und Schwestern ihren Dienst an den Kranken aufgenommen hatten, fand es in allen Kreisen der Bevölkerung ein lebhaftes Interesse. Die Gemeindeverwaltungen von Bant, Heppens und Neuende begrüßten mit Freuden die Erbauung des St. Willehad-Hospitals. Waren sie doch so der Sorge enthoben, selbst ein Krankenhaus bauen zu müssen. Ein eigenes Krankenhaus war in den Gemeinderäten schon des öfteren Gegenstand von Erörterungen gewesen, zumal das Krankenhaus, an welchem diese Gemeinden ein gewisses Anrecht hatten, das Sophienstift zu Jever, ca. 20 km entfernt und seine Benutzung mit mancherlei Beschwerden verbunden war.

Sehr befriedigt äußerte sich die Kaiserliche Marine darüber, dass in die Satzung des Vereins St. Willehad-Hospital die Bestimmung aufgenommen worden war, dass im Kriegsfalle das Haus den Verwundeten und Kranken der Marine mit allen Einrichtungen und mit den geschulten und opferbereiten Schwestern zur Verfügung gestellt werden dürfe. Der Herr Staatssekretär des Reichsmarineamtes von Tirpitz hat in einem persönlichen Schreiben an den Vorstand des Vereins St. Willehad-Hospital für das hochherzige Anerbieten, das St. Willehad-Hospital im Kriegsfalle der Marine zur Verfügung zu stellen "den Dank der Marine" ausgesprochen.

Großes Vertrauen und hohe Erwartungen setzten die Bewohner des Jadegebietes und seiner Umgebung besonders in die Schwestern des St. Willehad-Hospitals. Sie hofften, hier durch deren selbstlose, aus christlicher Liebe geschenkte Pflege bald wieder gesund und geheilt zu werden. Hatten sie doch schon seit Jahren gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Und in der Tat, das St. Willehad-Hospital ist nicht zu denken und wäre nicht geworden, was es heute ist, wenn das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Franziskus zu Mauritz (bei Münster) nicht seine Schwestern zur Verfügung gestellt hätte.

Stand: 02.09.2008nach oben

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